Für Soledad Gallardo aus Santa Barbara (Chile) kam es im Jahr 2014 vollkommen unerwartet, dass ihre Tochter Matilda mit einer Lippenspalte geboren wurde. Soledad war bewusst, dass es die Möglichkeit einer Spaltenoperation gab, weil sie Lehrerin für Kinder mit besonderem Förderbedarf war und bereits von einer Spalte betroffene Schüler unterrichtet hatte. Trotzdem war es schwer für Soledad zu akzeptieren, dass Matilda eine operative Behebung ihrer Spalte durchstehen musste. „Es war schwer, Matildas Lippenspalte zu akzeptieren. Ich dachte: Es ist mein Beruf, Kinder mit Einschränkungen auf das Leben vorzubereiten. Das passiert anderenLeuten — nicht mir“, sagte Soledad.

Während Matildas erster Lebensmonate bedeckte Soledad sie jedes Mal, wenn sie sich in der Öffentlichkeit blicken ließen, mit einem Tuch, weil sie es leid war, von Fremden angesprochen zu werden, die unhöfliche Fragen stellten und Soledad ihre Theorien „zuflüsterten“, laut denen Soledad Fehler gemacht haben musste, aufgrund derer sie es verdient hatte, ein Kind mit Spalte zur Welt zu bringen. Noch viel mehr regte Soledad sich über Mitglieder ihrer Familie auf, die sie für Matildas Lippenspalte verantwortlich machten. „Dieses ganze Negative durchdrang mich und ich begann, ihnen zu glauben – wenn alle dachten, ich wäre schuld, dann hatten sie vielleicht recht.“

Die Dinge wendeten sich erst zum Positiven, als Matilda zwei Monate alt war und ein Freund der Familie Soledad empfahl, Kontakt zur Stiftung „Fundación Gantz“, einen in Santiago de Chile aktiven Partner von Smile Train, aufzunehmen. Soledad erinnert sich an den ersten Besuch dort zu einem Beratungsgespräch. „Ich fühlte mich bei Fundación Gantz wie in einer anderen Welt. Anstatt angestarrt oder diskriminiert zu werden, wurde Matilda akzeptiert und unterstützt. Die Ärzte gaben uns alle Informationen, die wir brauchten, und stellten unmissverständlich klar, dass ich für Matildas Lippenspalte nicht die Schuld trug.“

Nach dem Besuch der Familie bei der Stiftung „Fundación Gantz“ ging Soledad fortan mit Matilda spazieren, ohne sie vorher in eine Decke einzuwickeln. „Matilda brachte uns bei, wie man mit Gaffern umgeht – sie starrte direkt mit ihren großen wunderschönen Augen zurück und lächelte sie an“, sagte Soledad. Darüber hinaus brach Soledad den Kontakt mit Familienmitgliedern, die sie für Matildas Lippenspalte verantwortlich machen wollten, ab. Die Negativität, der Ärger und der Stress, die sich in ihr angestaut hatten – alles fiel von ihr ab.

Als Matilda vier Monate alt war, wurde ihre Spalte mit Unterstützung von Smile Train operativ behoben. Soledad war die Erste, die sie zu Gesicht bekam, nachdem sie aufgewacht war. „Es war für mich wie ein Segen, die Auserwählte zu sein, Matildas Mutter zu sein — sie sah wunderbar aus und ich verliebte mich nochmal in sie“, erinnerte sich Soledad.

Nach Matildas Spaltenoperation beschloss Soledad, ein Buch über die nicht für möglich gehaltene Erfahrung zu schreiben, Mutter eines mit Spalte geborenen Kindes zu sein — ein solches Buch hätte sie selbst gerne während Matildas erster Lebensmonate gelesen. „Ich war stolz auf meine Geschichte und der Meinung, dass sie anderen Müttern helfen kann“, sagte sie.

Soledad hatte noch keine Schreiberfahrung, daher bat sie Freunde um Hilfe. Als das Buch fertig war, wurde unerwartet der Bürgermeister von Santa Barbara auf das Projekt aufmerksam und bot Soledad privat finanzielle Unterstützung an. Das ermöglichte es ihr, das Buch verlegen zu lassen. Die englische Übersetzung erschien unter dem Titel „Your Smile Illuminates the World: A Rehabilitation to Learn to Smile and See with the Heart“ (Deutsch: „Dein Lächeln erhellt die Welt: Wie man es schafft, das Lächeln und das Sehen mit dem Herzen neu zu lernen“). Das Buch gibt es bereits im Geschenkeladen der Stiftung „Fundación Gantz“ sowie in ausgewählten chilenischen Buchhandlungen zu kaufen.

“Ich bin Smile Train und der Stiftung ‚Fundación Gantz‘ so dankbar. Ich hoffe, dass mein Buch bewirkt, dass auch andere Mütter von Kindern mit Lippen- und Gaumenspalte an Ihr wundervolles Programm vermittelt werden“, so Soledad. Soledad berichtet, wie gut es Matilda inzwischen geht. „Matilda ist ein richtiger kleiner Wirbelwind. Sie ist sehr lebhaft und kontaktfreudig und läuft ständig hin und her. Jetzt ist sie so, wie ich es mir erträumt hatte – gesund und glücklich.“